Burcak Lidija (CH)
Themen: Aufwachsen / Identität / Zugehörigkeit / Erste Liebe / Berufliche Ziele
2022 erschien ihr Debütroman «Nöd us Zucker» bei Der gesunde Menschenversand (Luzern), der 2023 mit dem Anerkennungspreis des Kantons Zürich ausgezeichnet wurde; 2025 folgte die Taschenbuchausgabe. Das Buch ist Grundlage für über 70 Lesungen in der Deutschschweiz und der Romandie. Von 2021 bis 2022 schrieb Lidija Burčak eine monatliche Kolumne für das 041 Kulturmagazin. Parallel ist sie als Dokumentarfilmerin für NZZ Format und als Dramaturgin tätig, zuletzt begleitete sie die Produktion Comeback von Eugénie Rebetez. Als Coach unterstützt sie junge Menschen bei Schreib- und kreativen Abschlussprojekten.
Lidija Burčak studierte Sozialwissenschaften in Zürich und Berlin und schloss 2018 einen Master in Visueller Anthropologie an der Goldsmiths University of London ab.
Ablauf Lesung
Die Lesung gliedert sich in drei Leseblöcke à 15 Minuten, unterbrochen von offenen Fragerunden. Es gibt eine kurze Einführung zum Thema Tagebuchschreiben, dabei sind die originalen handgeschriebenen Tagebücher Teil der Lesung, als authentisches Objekt, das die Unmittelbarkeit der Texte erfahrbar macht. Die Texte sind in Mundart gehalten und geben den Jugendlichen einen authentischen Einblick in Sprache und Zeitgeist der Jahrtausendwende. Es gibt einen direkten Austausch mit den Schüler/innen.
Werke
- Nöd us Zucker - ab 13 J.
Leseprobe aus «Nöd us Zucker»
Sunntig, 7. Februar 1999 / 18:05
Ich hocke uf mim Bett, lose Oasis und bin chli truurig. Mini Eltere sind Arschlöcher. Am letschte Fritig hani wieder emal ghüüled und sie hend mit mir gredt. Natürlich nöd richtig. Sie hend mich zämägschisse vo wägä ich müessi mit ihne über mini Problem rede. Was für verdammti Penner. Mir stiiged Träne id Auge, weni a die Situation dänke. Sie chönd doch nöd vo mir verlange, dass ich mit ihne rede söll, wenn sie dänn alles wiiter verzehled, so dass es dänn grad alli wüssed. Das chani gar nöd bruche. Usserdem säged mini Eltere au, dass ich kei Gründ zum hüülä oder zum unglücklich si han. Vo wo wends das wüsse? Sie hend s Gfühl, ihri Problem seged tuusig Mal krasser. Naja, vilicht stimmt das ja au, aber trotzdem därfed sie mich nöd so behandle, wie wänn ich es chliises, unerfahrnigs, blöds, naivs 15-jährigs Meitli bin, wo kei Ahnig het vo de Welt und vo wahre Problem. Das, was mich no am Läbe bhalted, isch d Hoffnig uf mini späteri Freiheit und de Glaube a mich, dass ich’s schaffe wird. Ich freu mich sehr uf mis Läbe nach de Gfangeschaft. Während de Gfangeschaft mach ich alles, zum mich guet uf mis spätere Läbe vorzbereite. Ich merke grad, dass Mänsche, wo viel Tagebuech schriebed, kei echti, engi Fründe händ, suscht würed sie das dene verzehle. Tja, ich bin halt en recht einsame Mensch.
Unterrichtsmaterialien / Links
Stadtzürcher Schulklassen: Das kostenlose Kontingent ist ausgeschöpft. Anmeldungen sind weiterhin möglich, die Finanzierung erfolgt jedoch über das Globalbudget.