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Sacher Noemi (CH)

Themen: Freundschaft, Selbstermächtigung, Neurodiversität, Inklusion

Die Autorin hat in Zürich Germanistik und Literarisches Schreiben studiert. Sie ist Mutter, war schon Bibliotheksaufsicht, Magd auf dem Bauernhof und Deutschlehrerin. Aktuell arbeitet sie als Lektorin und Schreibcoach.

In ihren Büchern macht sie das Anderssein durch konsequente Kindersicht erlebbar: meist leicht und witzig, manchmal aber auch schonungslos. Denn die Geschichten sind mitten aus dem Leben gegriffen, und da läuft es – bei aller Liebe – nicht immer rund zwischen Eltern und Kindern.


Ablauf Lesung

In Noëmi Sachers Lesungen geht es um Kinder, die anders sind – und doch ganz normal. Die Autorin lässt die Kinder ihren Alltag reflektieren und mit einem Augenzwinkern Andersartigkeiten entdecken und zeigt dazu warmherzige und witzige Illustrationen.


Werke

  • Kaya Kompliziert, ab 6 J.
  • Ennio Empfindlich, ab 6 J.
  • Robin Ruhelos, ab 6 J.
  • Alma Abweisend, ab 6 J.
  • Leander hat ein Geheimnis, ab 9 J.
  • Rabea sucht ihre Oma, ab 9 J.


Leseprobe aus «Leander hat ein Geheimnis»

Wo müssen wir eigentlich aussteigen?« Hat Frau Kempf nicht zwei Stationen gesagt?

«Mist! Die anderen sind schon draussen!», quiekt Leo erschrocken. Tatsächlich! Auf dem Bahnsteig stehen Ajay und Dorian, daneben Adrian und Mikka und Frau Kempf, die gerade die Kinder durchzählt. Der Zug fährt wieder an. Mit drei Sätzen bin ich an der Tür und rüttle am Griff. Zu spät! Die blöde Tür bleibt zu, der Bahnsteig zieht immer schneller vorbei. Schon ist die Klasse aus meinem Blickfeld verschwunden. Ich drehe mich um und starre die anderen an.

Leo ist kreideweiss im Gesicht. «Wir haben keine Fahrausweise!»

«Als ob das unser grösstes Problem wäre», stöhnt Rabea. «Was machen wir denn jetzt?»

«Wir halten den Zug an!», sage ich. Das ist doch klar.

«Wie denn?», fragt Rabea.

«Da, mit der Notbremse.» Ich deute hoch zu dem roten Griff.

«Das ist verboten!», widerspricht Leo sofort.

«Die ist gesichert», sagt Rabea. «Seht ihr? Da ist ein Draht drum.»

«Missbrauch wird bestraft», sagt Leo.

«Bestimmt hätten wir nicht mal genug Kraft, um die zu ziehen.» Rabea langt nach dem Griff und grinst.

In diesem Moment geht der Zug in eine Kurve. Rabea verliert das Gleichgewicht und krallt sich am Griff fest. Die Bremsen kreischen. Ich werde voll gegen die Wand gedrückt, und die beiden drückt’s gegen mich. In den Wagen links und rechts schreien die Menschen durcheinander, es rumpelt, und Gepäck knallt auf den Boden. Dann hört das Kreischen auf. Der Zug steht still. Ich rapple mich auf und checke die Lage. Die Aufregung ist gross, aber niemand hat gemerkt, dass wir das waren. Nur wird das nicht lange so bleiben. Mein Blick fliegt zur Tür. Da sind Piktogramme, wie sie im Notfall zu öffnen ist. Hebel runter, drücken, schieben. Es geht schwerer als gedacht, aber die Tür geht auf.

«Los, los!», ruf ich den anderen zu und springe aus dem Zug ins Gras.

«Ich springe nicht!», ruft Leo.

Ich will ihr zurufen, dass sie sich nicht so anstellen soll, aber da kommt sie schon auf mich zugeflogen! Ich rolle blitzschnell zur Seite, als sie auch schon mit dem Gesicht nach unten aufklatscht. Rabea springt hinterher und kann sich – ganz untypisch – auf den Füssen halten. Ich will ihr gratulieren, da schallt eine Stimme zu uns herüber, und die klingt alles andere als erfreut: «He, ihr! Stehenbleiben!» Ganz vorne am Zug steht jemand und winkt. Das ist bestimmt der dicke Schaffner. Ob er sich an uns erinnert? Er ist vier Wagenlängen von uns entfernt.

«Der kriegt uns nicht! Los, kommt!», ruft Rabea. Checkt die Umge­bung und deutet auf ein paar Büsche. «Wir verstecken uns dort!»

Mein ganzer Körper prickelt vor Abenteuer. Ich stelle mich hin wie ein Cowboy und fordere den Schaffner zum Duell. Gleich werden wir beide die Waffe ziehen und …

«Was machst du?», ruft Rabea.

«Hilf mir lieber!» Leo liegt noch immer auf dem Boden. Rasch ziehen wir sie an beiden Armen hoch.

«Halt! Das ist verboten!», ruft der Schaffner.

«Los jetzt!», feuere ich meine Komplizinnen an.

Unterrichtsmaterialien / Links

Anmeldung
Anmeldebeginn ist am Mo 8. Juni 2026, ab 8:30 Uhr
Daten
1.-5.2. / 8.-12.3.27
Anmeldeschluss
Fr 17.7.26
Dauer
60 bis 90 Min.
Veranstaltungsort
Im Schulhaus
Preis
350.– pro Lesung (max. 50 Personen)

Stadtzürcher Schulklassen: Das kostenlose Kontingent ist ausgeschöpft. Anmeldungen sind weiterhin möglich, die Finanzierung erfolgt jedoch über das Globalbudget.
Zielpublikum
1.–5. Primarklasse
Zugänglichkeit
Rollstuhlzugänglichkeit abhängig vom Veranstaltungsort (z.Bsp. Schulhaus)