Blickfelder Festival 2026 – Im Gespräch mit Theresa Künz

Warum braucht es ein Festival für und mit einem jungen Publikum?

Wenn sich im Sommer 2026 ein öffentlicher Platz in Zürich in eine Bühne, ein Atelier, einen Kinosaal und einen Denkraum zugleich verwandelt, dann ist wieder Blickfelder-Zeit. Das Blickfelder Festival macht Theater, Tanz, Musik, Literatur, Film und Bildende Kunst für Kinder und Jugendliche nicht nur sichtbar, sondern lebendig, greifbar und unmittelbar erfahrbar.

Bis zur Ausgabe 2019 war die Fachstelle Schule+Kultur selber für die Planung und Durchführung des Festivals verantwortlich. Mittlerweile liegt diese Aufgabe in den Händen eines externen Vereins. Eng verbunden bleibt Schule+Kultur dem Festival dennoch - sowohl finanziell als auch in der Zusammenarbeit bei den partizipativen Projekten.

Für die Ausgabe 2026 haben wir mit Theresa Künz vom Blickfelder Festival gesprochen. Sie verantwortet die Kommunikation und ist Teil des Programmationsteams. Im Gespräch ging es um das internationale Theater- und Tanzprogramm, die partizipativen Projekte und darum, welche Bedeutung das Festival für junge Menschen in Zürich hat.

Schule+Kultur: «Warum braucht es ein Festival für und mit einem jungen Publikum, und was macht Blickfelder 2026 zu einem Festival, das Schüler/innen seit über 30 Jahren einen besonderen Zugang zu Theater, Tanz, Musik, Kunst und Literatur ermöglicht?»

Theresa Künz: «Das Blickfelder Festival macht Theater, Tanz, Musik, Literatur, Film und bildende Kunst für junge Menschen lebendig, greifbar und erfahrbar. Wir schaffen Räume, in denen sie selbst aktiv werden, mitgestalten und ihre eigenen Ideen einbringen können.

Seit 1992 gehört das Blickfelder Festival zur Zürcher Kulturlandschaft und ist international bekannt. Alle zwei Jahre bespielen wir einen öffentlichen Platz in Zürich und zeigen Theater- und Tanzproduktionen für junges Publikum. Neben Aufführungen mit professionellen Darsteller/innen setzen wir auf partizipative Projekte, in denen Schüler/innen künstlerisch mitwirken. Schon lange vor dem Festival knüpfen wir Verbindungen zwischen Schulen, Künstler/innen und Kunstinstitutionen, um kreative Kooperationen entstehen zu lassen.

Blickfelder feiert Vielfalt: Das Programm zeigt unterschiedliche Perspektiven, Lebensrealitäten und künstlerische Ausdrucksformen. Durch die enge Zusammenarbeit mit Schulen machen wir Kultur erlebbar und eröffnen Räume für ästhetische Erfahrungen, Kreativität und gesellschaftlichen Austausch.

Blickfelder ist dadurch mehr als ein zehntägiges Festival. Es setzt Impulse für die persönliche Entwicklung junger Menschen und fördert Kreativität, Selbstvertrauen und Mitwirkung.»

Schule+Kultur: «Warum sind Theater- und Tanzformate für junge Menschen besonders wichtig?»

Theresa Künz: «Theater und Tanz können für junge Menschen unbekannte Welten öffnen. Bei Blickfelder zeigen wir Vorstellungen aus Tanz, Theater, Performance und Zirkus, die grosse Themen wie Evolution, Krieg, Identität oder das Verhältnis zwischen Mensch und Natur erlebbar machen – ohne zu belehren. Sie wirken neben Sprache durch Bewegung, Atmosphäre und Humor und ermöglichen den jungen Zuschauenden, selbst zu fühlen, zu entdecken und eigene Fragen zu entwickeln.

Internationale Produktionen werden ergänzt durch Schweizer Gruppen aus anderen Sprachregionen. Alle Stücke knüpfen an die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen an und schaffen Räume, in denen sie neue Perspektiven entdecken, kritisch nachdenken und emotional berührt werden.

Die Aufführungen finden in den Tanz- und Theaterhäusern Zürichs statt. Durch Schulvorstellungen erreichen wir ein breit durchmischtes Publikum und verwirklichen das Recht junger Menschen auf Teilhabe an Kunst und Kultur. Zu ausgewählten Stücken bieten wir Vermittlungsprogramme an, die den Besuch vertiefen und eigene kreative Auseinandersetzung mit den Themen fördern.

Bei Blickfelder geht es nicht um Belehrung, sondern um Erfahrung, Entdeckung und kreative Mitwirkung. Das Programm ist nicht nur unterhaltsam – es fordert heraus und schafft Erlebnisse, die neugierig machen, zum Fragen anregen, Gemeinschaft stärken und die Fantasie beflügeln.»

Schule+Kultur: «Warum legt das Festival einen besonderen Fokus auf partizipative Projekte? Wie werden diese Schulprojekte am Festival präsentiert?»

Theresa Künz: «Partizipative Schulprojekte sind ein zentraler Schwerpunkt am Festival. Kinder und Jugendliche sehen wir nicht nur als Publikum, sondern als aktive Mitgestalter/innen. Sie lernen, eigene Ideen umzusetzen, kreativ zu experimentieren, Verantwortung zu übernehmen und künstlerische Prozesse hautnah zu erleben. Dabei setzen sich die Schüler/innen mit aktuellen Themen auseinander – von Zugehörigkeit und Ausgrenzung über Selbstfindung bis hin zu Entscheidungsprozessen – und entwickeln eigene Werke in Fotografie, Film, Tanz, Theater, Musik oder interaktiven Installationen.

Die Projekte werden auf vielfältige Weise am Festival präsentiert: In «Spielend ein Spiel entwickeln» erfinden die Schüler/innen ein eigenes Spiel, das vom Publikum getestet werden kann. Bei «Being there» gestalten Jugendliche einen Audio-Bilder-Walk. «Who am I?» ist ein Dokumentarfilm von Jugendlichen im Berufsvorbereitungsjahr und die Kindergartenkinder von «Tanzspuren» kreieren tanzend eine Installation, die am Festival präsentiert wird. Das sind nur einige Beispiele für die unterschiedlichen Präsentationsformen der partizipativen Projekte. Die Schüler/innen entscheiden gemeinsam mit den Künstler/innen, was und in welcher Form sie ihre Arbeiten präsentieren möchten. Bis zum Festival befinden sich die Projekte noch im Entwicklungsprozess. Wir freuen uns darauf, diese Prozesse und ihre vielfältigen Ausdrucksformen am Festival erlebbar zu machen.

So entstehen vielfältige, lebendige Begegnungen, die nicht nur die Kinder und Jugendlichen prägen, sondern auch das Festival zu einem dynamischen Ort des Lernens, der Kreativität und des Austauschs machen.»

Text: Schule+Kultur

Blickfelder Festival 2024 «Les cours des choses – Zirkus Chnopf» ©Vera Joder

©Vera Vera Joder

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