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Zaeri-Esfahani Mehrnousch, Karlsruhe (D)

Themen: Heimat, Flucht, Neuanfang, Freiheit, Innerer Schatz, Selbstbild, Vorurteile, Muttersprache
1974 im Iran geboren, flüchtet Mehrnousch Zaeri-Esfahani 1985 mit ihrer Familie nach Deutschland. Nach mehrjähriger Berufstätigkeit als Sozialpädagogin in der Migrantensozialarbeit und für interkulturelle Öffnung, schreibt die Autorin und Mutter dreier Kinder ab 2012 Romane. Ab Januar 2017 wird sie als freischaffende Autorin, Geschichtenerzählerin und Referentin tätig. Sie führt jährlich mehr als 100 Veranstaltungen durch.

Besonderes
Geschichtenerzählerin. Orientalischer, freier und dialogischer Erzählstil unter Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler und ihrer Themenwünsche. Mit Worten werden Bilder gemalt.

Werke
- Tja, wenn das so einfach wäre (Bilderbuch), Baobab Books, Basel, 2018
- Das Mondmädchen (10 Jahre), Knesebeck-Verlag, München, 2016- 33 Bogen und ein Teehaus (12 Jahre) erhältlich als Schulausgabe + Lehrermaterial beim Carlsen-Verlag, Hamburg 2018

Leseprobe aus «33 Bogen und ein Teehaus»

Doch zum Glück war die Lehrerin in der Sporthalle sehr nett. Sie beugte sich zu mir herunter und sagte etwas in einer sehr seltsamen Sprache. Diese Sprache mit so komischen Lauten wie „eu“ und „au“ war mir vollkommen unbekannt. Ich hatte meine Augen auf ihren Mund geheftet, der mir wie ein Automat vorkam. Die Üs und Ös kannte ich zum Glück schon aus dem Türkischen. Ich war froh, dass die Deutschen auch mit Üs und Ös sprachen, die ich nach langem Üben in der Türkei perfekt beherrschte. Die Lehrerin merkte schnell, dass ich kein Deutsch verstand. Sie fragte noch ein paar Dinge, die ich nicht beantwortete. Ich starrte an ihr vorbei in die Halle, weil mir unglaublich schien, was sich hinter ihrem Rücken abspielte. Die Kinder dort trainierten an den Ringen. Ich schaute mehrfach hin, aber ich begriff nicht im Entferntesten, warum ich hier war. Sporthallen, Turngeräte und Ringe kannte ich nur aus dem Fernsehen, von den Olympischen Spielen. Wir hatten Videos der Olympischen Spiele auf dem Schwarzmarkt gekauft, weil mein jüngerer Bruder sportbegeistert war. Und die Kinder hier, die so alt waren wie ich, liefen an den Ringen hin und her, und noch schlimmer, sie hingen daran und schaukelten darin. Sie sahen aus wie die kleinen gelenkigen Äffchen aus dem Dschungelbuch. Ich war wie betäubt. Ich dachte, hier fände Unterricht für hochbegabte Kindersportler statt. Nun war ich mir sicher, dass ich aus Versehen hierher gebracht worden war.

Bild aus dem Bilderbuch "Tja, wenn das so einfach wäre"


zaeri-autorin.de
Veranstaltungsort
Im Schulhaus
Zielpublikum
1.–6. Primarklasse, 1.–3. Sekundarklasse, Berufsvorbereitungsjahr, Mittel-, Berufs(fach)schule
Dauer
60-70 Min.
Preis
300.–pro Lesung (max. 50 Personen)
Anmeldeschluss
Mi 31. Juli 2019
Daten
21.-24. Jan. 2020