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Egli Werner J. , Egg (CH)

Themen: Abenteuer, Grenzen, Wildnis, Tiere.
Werner J. Egli aus Luzern, Schweiz, lebt heute als freier Schriftsteller in Tucson (USA) und in Egg bei Zürich. Seine erfolgreichen und in viele Sprachen übersetzten Jugendbücher wurden unter anderem mit dem Friedrich-Gerstäcker-Preis, dem Preis der Leseratten (ZDF) und mit dem Jugendbuchpreis der Ausländerbeauftragten des Senats Berlin ausgezeichnet. Egli wurde für die Hans-Christian-Andersen-Medaille nominiert, der international höchsten Auszeichnung für Jugendliteratur.

Besonderes
Erzählen, lesen, berührt werden, mitmachen und in reale Abenteuer entführt werden.

Werke
- Heul doch den Mond an (ab 10) - Der letzte Kampf des Tigers (ab 12)
- Black Shark (ab 12)
- Der erste Schuss (ab 14)
- Aus den Augen, voll im Sinn (ab 14)
- Tunnel Kids (ab 14)
- Blues für Lily (ab 14)
- Der Ruf des Wolfs (ab 14)
- Tage im Leben eines Feiglings (ab 14)


Leseprobe aus «Der Ruf des Wolfs»

Zane erhob sich. Er nahm den Maulkorb von seinem Gürtel und betrachtete ihn im Feuerschein. Es war kein Kunstwerk, das er da fabriziert hatte. Um festzustellen, ob der Maulkorb tatsächlich passte, hätte er ihn der Wölfin probeweise anlegen müssen. Er blickte zu ihr hinüber. Sie belauerte ihn. Er ging auf sie zu. Sie rührte sich nicht. Der Atemhauch hüllte ihren Kopf ein. Sie hatte eine klar gezeichnete Maske, dunkel auf der Stirn, über dem Nasenrücken und unter den Augen. Ihre Schnauze war mit Blut verschmiert, das sie sich von ihrer Wunde geleckt hatte. Zane roch sie. Es war kein angenehmer Geruch. Sie braucht ein Bad, dachte er.
«Du sträubst dich vergeblich», sagte er zu ihr. «Bald rinnt kein Tropfen Blut mehr in deinen Adern und dann ist alles zu spät.»
Er ging auf sie zu und kauerte sich vor ihr nieder. Keine fünf Schritte trennten ihn von ihr und sie hätte ihn, wenn sie noch die Kraft dazu gehabt hätte, mit einem einzigen Satz anspringen können.
Ob sie überhaupt wusste, wie es um sie stand? Konnte sie ahnen, dass sie sterben würde, wenn sie weiterblutete? Ihre Augen verrieten ihm nichts. Ihre Augen sahen durch ihn hindurch oder an ihm vorbei.
Zane entschied sich, mit ihr zu reden. Seine Stimme vermochte das Misstrauen in ihr vielleicht abzuschwächen.
Er überlegte sich, was er ihr hätte sagen können. Es fiel ihm nichts Gescheites ein.
«Ich erzähl dir von mir», sagte er leise zu ihr. Sie bewegte kurz ihr linkes Ohr. «Du weißt nicht, wer ich bin», sagte er. «Mein Name ist Zane. Zane Clark. Und der Junge, der die letzten beiden Tage bei mir war, das ist mein kleiner Bruder Jasper. Du hast mich bestimmt heulen gehört und gedacht, das ist einer, der verrückt ist. Vielleicht bin ich das auch. Vielleicht bin ich verrückt. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass ich schon mit Flüssen geredet habe und mit dem Wind im Gras. Und mit Bäumen und Steinen. Mein Großvater sagt, dass alles auf dieser Welt eine Seele hat. Und eine Stimme. Auch Steine. Ich bin nicht ganz sicher, ob das wirklich so ist. Wenn das so wäre, würden wir diese Welt vor Schmerzen schreien hören.»


aravaipa.ch
Egli Werner J. , Egg (CH)
Veranstaltungsort
Im Schulhaus
Zielpublikum
6. Primarklasse, 1.–3. Sekundarklasse, Berufsvorbereitungsjahr, Mittel-, Berufs(fach)schule
Dauer
60-90 Min.
Preis
300.–pro Lesung (max. 50 Personen)
Anmeldeschluss
Mi 31. Juli 2019
Daten
13.-31. Jan. 2020