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Till Jochen, Sulzbach (D)

Themen: Fremdsein, Freundschaft, Familie, Schule
Geboren 1966 in Frankfurt am Main.
Abitur 1988.
Erstveröffentlichung 1997.
Seit 2005 selbstständiger Schriftsteller.

Werke
- Luzifer Junior (7 Bücher), ab 9
- Raubritter Rocko (4 Bücher), ab 6
- Die Wilde Wilma (2 Bücher), ab 6
- Spackos in Space (3 Bücher), ab 9
- Fette Ferien, ab 11
- Fiese Ferien, ab 11
- Charlie & Leo, ab 11
- Der Junge Sonnenschein, ab 13
- Ausgeflogen, ab 13

Besonderes
Jochen Till hat einen professionellen Vorleser dabei. Sie benötigen unbedingt einen Beamer für jede Lesung, ohne Ton, es werden nur Bilder gezeigt. Bei Gruppen über 50 Zuhörern wären 2 Mikrophone wünschenswert.

Leseprobe aus «Luzifer Junior - Zu gut für die Hölle»
»BIN ICH DENN NUR VON STÜMPERN UMGEBEN? VERFLUCHT NOCH MAL! WIE SCHALTET MAN DAS DENN AUS? STEVEN? STEVEN!«
»Ja, Chef?«
»DU HAST DOCH DEN GANZEN NEUMODISCHEN QUATSCH HIER INSTALLIERT! WIE SCHALTET MAN DAS AUS?«
»Sie müssen einfach nur die Stopp-Taste drücken.«
»DIE STOPP-TASTE? WELCHES IST DENN DIE STOPP-TASTE? DIE MIT DEM PFEIL?«
»Nein, die daneben. Die mit dem Kästchen.«
Unfassbar, oder? Mein Vater weiß nicht einmal, wie eine stinknormale Stopp-Taste aussieht. Und er ist der oberste Boss hier.
»DAS FUNKTIONIERT NICHT! JETZT IST ES NOCH LAUTER GEWORDEN!«
Klar. Weil ich die Tasten vertauscht habe.
»Kann nicht sein«, sagt Steven. »Mein Computersystem ist das beste der Welt. Wenn man da auf die Stopp- Taste drückt, dann stoppt die Musik auch.«
»Da stoppt überhaupt nichts. Guck doch selbst! Die tanzen da unten! Die haben SPASS! Das geht nicht! Das verstößt gegen die Hauptdirektive! Hier gibt es keinen Spaß! Wir sind das Gegenteil von Spaß! Das muss aufhören! Mach was, Steven! Und zwar sofort! Sonst kannst du für den Rest der Ewigkeit Fenster putzen!«
»Nein, bitte nicht!«, jammert Steven. »Bloß keine Fenster! Lassen Sie mich mal da ran, Chef. Das haben wir gleich.«
»Beeil dich! Wenn sich das rumspricht, kommen wir alle in Teufels Küche! Und ihr wisst genau, was passiert, wenn ich anfange zu kochen!«
Oh ja, das wissen wir. Mir ist jetzt noch schlecht vom letzten Mal. Nichts gegen ein bisschen Schwefel, aber Pfannkuchen muss man nicht unbedingt daraus machen.
»Ich habe den Fehler gefunden«, sagt Steven. »Da hat jemand die Tasten vertauscht.«
»Die Tasten vertauscht? Du meinst absichtlich? Das ist Sabotage! Wer macht denn so was?«
»Hm«, sagt Steven nachdenklich. »Ich kenne hier eigentlich nur einen außer mir, der sich mit Computern auskennt. Und das ist ...«
»LUZIE! Diese hinterhältige kleine Kröte!« Falsch. Ich heiße nicht Luzie, sondern Luzifer. Genau wie er. Luzifer junior, um korrekt zu sein. Und ich bin auch keine Kröte, sondern sein Sohn. Jawohl, ich bin ein Kind des Teufels. Satans Fleisch und Blut. Der Spross des Leibhaftigen, des Höllenfürsten und wie auch immer er sonst noch genannt wird. Ich weiß, das klingt erst mal unglaublich cool. Ist es aber nicht. Wer hat schon gern den fiesesten Typ der Welt zum Vater? Dabei ist er gar nicht so gemein, wie alle immer denken. Das ist nur seine Arbeit. Leute bestrafen, arme Seelen quälen, tagein, tagaus, vierundzwanzig Stunden am Tag, sieben Tage die Woche, ein echter Knochenjob. Wahrscheinlich wird man da automatisch fies. Obwohl er eigentlich so gut wie gar nichts selbst macht, die Drecksarbeit erledigen seine Angestellten. Es sei denn, es geht darum, mich zu bestrafen, wenn ich Mist gebaut habe. Das übernimmt er jedes Mal höchstpersönlich. Was ziemlich oft vorkommt. Weil ich ihm nicht böse genug bin. Was auch leider stimmt. Ich wäre ja gerne so böse wie er. Aber ich schaffe es einfach nicht. Obwohl ich es immer wieder versuche. Manchmal klappt es sogar. So wie bei den Tierquälern in Abteilung 7b. Okay, bei denen fiel es mir auch nicht schwer, fies zu sein. Ich hasse diese Typen, die sind echt der letzte Abschaum. Und deswegen darf jetzt jeder einzelne dieser Mistkerle pausenlos bis ans Ende der Zeit die Höllenhundkacke in unserem Vorhof wegmachen. Mit bloßen Händen. Ohne Handschuhe. Mit einer Katze auf dem Kopf, die denkt, er wäre ein Kratzbaum. Das war meine Idee. Und da war Papa auch mächtig stolz auf mich. Was heute sicher nicht der Fall sein wird. Denn mit den Jungs von Abteilung 27 ist das anders. Diese Art von Folter hat wirklich niemand verdient. Meine Aktion wird sie sicher nicht retten, aber wenigstens konnten sie mal kurz verschnaufen. Wir befinden uns zwar in der hochoffiziellen Hölle, aber selbst hier sollte ab und zu mal eine Pause erlaubt sein, finde ich. Ist es aber nicht. Und deswegen kriege ich gleich richtig Ärger. Sobald Papa mich erwischt, macht er mich ordentlich zur Schnecke. Und das meine ich wörtlich.


jochentill.de
Till Jochen, Sulzbach (D)
Veranstaltungsort
Im Schulhaus
Zielpublikum
1.–6. Primarklasse, 1.–3. Sekundarklasse, Berufsvorbereitungsjahr, Mittel-, Berufs(fach)schule
Dauer
60-90 Min.
Preis
300.–pro Lesung (max. 50 Personen)
Anmeldeschluss
Mi 31. Juli 2019
Daten
30. März - 3. April 2020